Wir machen Fortschritte

Nachdem sich meine Verkehrssituation mit dem Auto drastisch verbessert hat, bin ich jetzt wirklich jedes Wochenende unterwegs. Das sind zwar nicht unbedingt weite Trips ins Land, aber dafür seh ich ein bisschen was von Pretoria und Umgebung.

Die letzten Wochenenden hab ich damit verbracht, die Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden mal ein bisschen aufzubessern. Nach meinen schlechten Erfahrungen mit den Jungs und Mädels von der Farm im Krügerpark sind die Holländer hier in Pretoria doch ganz in Ordnung. Jetzt hab ich endlich welche, mit denen ich weg gehen kann. Außerdem waren wir in Gold Reef City. Dass ist ein Vergnügungspark in Johannesburg. An sich echt cool und witzig. Man sollte nur wirklich nicht den Tag (oder besser gesagt, den Abend) vorher mit Party und Bier verbringen. 4 verkaterte Jungs in ‘nem Auto ohne Klimaanlage klingt genau so, wie es sich anfühlt. Ich hab deswegen immer gut darauf geachtet, dass ich in den Achterbahnen vorn sitze. Man weiß ja nie, was vielleicht für ein Unglück passiert. Ist aber zum Glück alles drin geblieben. Die zweite schlechte Entscheidung war es, an einem Samstag in den Park zu fahren. Denn, wie wir eigentlich hätten wissen können, fährt da jeder hin. Dann folgt: Eine Stunde für die Tickets anstehen und ungefähr eineinhalb Stunden anstehen für jede Attraktion. Somit haben wir über den ganzen Tag nur drei Attraktionen geschafft. Das 4D Kino zähl ich einfach mal nicht mit, weil das wirklich langweilig war.

Dieses Wochenende durfte ich dann Dolmetscher für ein paar Neuankömmlinge aus Deutschland spielen. Auch mal ganz witzig, denn ich glaube nicht wirklich, dass die beiden wissen, wofür sie sich beworben haben. Haben mir zwar ganz stolz von ihrem Voluntariat erzählt, aber als wir den beiden eröffnet haben, dass sie die nächsten 6 Monate mitten im Nirgendwo verbringen, wo der nächste Supermarkt 50 staubige Dirt-Road-Kilometer entfernt ist, klang Party am Abend, so lange es geht, wie das Paradies für die beiden! Das Tagesprogramm bestand dann gestern aus dem Apartheidsmuseum (das lustigerweise direkt neben dem Vergnügungspark vom Wochenende davor liegt) und einem Besuch im Township Soweto. Echt coole Sache! Mir war zwar anfangs ein bisschen mulmig, als ich Township gehört habe, aber mir war auch am Anfang mulmig, wenn ich gehört habe: “Kurbel nie dein Fenster runter und fahr immer mit abgeschlossenen Türen Auto”. Und jetzt? Ich hab das Fenster immer offen und meine Tür nie abgeschlossen beim Fahren, aber ich lebe immernoch. Und Soweto hat mich auch überrascht. Da fahren nämlich am Wochenende alle hin, die den Sprung aus dem armen Township geschafft haben. Das heißt, es ist absolut nicht ungewöhnlich auf der Flaniermeile in Soweto Ferraris, Porsches und einen Haufen BMWs zu sehen. Das Land überrascht mich doch immer wieder aufs neue.

Die besten Neuigkeiten gabs allerdings letzten Montag für mich. Ich habe endlich ein Konto! Das heißt, dass ich endlich Gehalt bekommen kann. So, wie es im Moment aussieht bekomme ich dann Ende diesen Monats einfach mein Septembergehalt mit überwiesen. Ob ich mit so viel Wohlstand auf einmal wohl klarkomme? Was ich allerdings immer nocht nicht habe, ist meine Arbeitserlaubnis. Mein Reisepass ist zum dritten mal seit eineinhalb Wochen in der Personalabteilung und ich frage mich wirklich, was zur Hölle die mit dem Ding machen? Wenn die mein Gesicht so hübsch finden, dann schenk ich denen gern ein Foto aber mir persönlich ist es nicht so ganz Recht, ohne ein Dokument zu sein, dass bestätigt, dass ich tatsächlich im Land sein darf. Aber wie immer: Geduld!

So. Da der heutige Beitrag nicht mit ein paar Bildern hier und da ausgestattet wurde, gibts im Anhang die Bilder zum Besuch im Apartheitsmuseum als Gallerie.

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